Von Jean-Pierre Fuß.
Zu keinem Zeitpunkt hatten wir den Mannschaftskampf (Regionalliga, 1. Mannschaft) in Eschweiler nicht im Griff. Zumindest fast nie. Also gut, eigentlich nur am Ende. Aber da hatten wir ihn, und das reicht bekanntlich.
Der Start war durchwachsen: Uli kam bereits gedrückt aus der Eröffnung und fand nie richtig ins Spiel, sodass wir früh in Rückstand gerieten. Marcus steuerte in ruhiger Stellung ein solides Remis bei – unspektakulär, aber in solchen Kämpfen Gold wert.
Karl zeigte im Endspiel starke Nerven. Nach guter Abwicklung gewann er einen Bauern und verwertete diesen, auch wenn die Stellung gefühlt mit jedem Zug zwischen „klar gewonnen“ und „vielleicht doch remis“ schwankte. Am Ende blieb es dabei: Mehrbauer gut, Punkt gut, alles gut.
Andreas Mundorff tat das, was er am liebsten tut: Endspiel spielen, geduldig bleiben und den entscheidenden Moment abwarten. Als der Gegner danebengriff, war die Partie technisch entschieden.
Andreas Schwarz baute sich Stück für Stück Vorteil auf, bis ein unglücklicher Zug einschlug wie ein Blitz, eine Figur verschwand und die Partie war nicht mehr zu retten.
Jean-Pierre spielte lange eine völlig ruhige Partie. Dann kam die Idee: Königsangriff. Und zwar einer von der Sorte „Ich bereite das jetzt ein paar Züge lang vor, damit es richtig weh tut“. Das funktionierte auch hervorragend. Alles unter Kontrolle, klarer Vorteil – bis zur Zeitnot. Nach 25 Zügen noch zwei Minuten auf der Uhr (das war, so hört man, nicht exakt der Plan), ein ungenauer Zug – und der komplette Vorteil war verdampft.
Aber diese Saison scheint bei ihm unter besonderem Schutz zu stehen. Irgendwie rettete er sich über die Zeitkontrolle, erreichte ein Endspiel, das objektiv wohl Remis ist – und gewann es. Warum? Weil sein Gegner die rettende Idee nicht fand. Manchmal muss man es auch einfach erzwingen, dass Dinge funktionieren.
Und dann war da noch Christians Partie. Nach zwei Jahren ohne Weiß-Sieg ging er – vorsichtig formuliert – nicht gerade vor Selbstvertrauen platzend ans Brett. Caro-Kann. Natürlich. Es entwickelte sich ein Königsangriff, der zunächst nach gesundem Positionsspiel aussah und später nach „jetzt gibt es kein Zurück mehr“. Linien wurden geöffnet, Figuren aktiviert, und schließlich stand ein Springeropfer auf h5 auf dem Brett. Erzwungen, versteht sich, wenn man schon opfert, dann bitte mit Stil. Der Angriff war danach nicht mehr aufzuhalten, und am Ende stand ein Mattangriff, der sich sehen lassen konnte. Manchmal muss man einfach den einzigen Zug spielen, vor allem, wenn es zufällig auch der richtige ist.
So stand am Ende ein knapper 4,5 : 3,5-Erfolg. Nicht alles lief glatt, manches war unnötig spannend, doch genau solche Kämpfe muss man im Abstiegskampf gewinnen!
