Neulich wollte ich zum letzten Bankautomaten der einst so starken „Cash Group“ an der Postfiliale in Troisdorf und musste mit Erschrecken feststellen, dass es weder den Automaten noch die Post mehr gibt. Wieder ein vertrauter Ort weniger. Wo man früher Briefe abgab, Pakete abholte oder einfach kurz mit einem Menschen sprach, bleibt nun ein leeres Feld.
Schach ist ein Spiel der Felder. Während einer Schachpartie kann die Kontrolle über sogenannte Schlüsselfelder sehr wichtig werden. Nicht ein großer Fehler entscheidet, sondern ein (un)günstiger Abtausch hier oder eine vereinfachende Abwicklung dort. Und plötzlich merkt man: Die Stellung ist enger geworden, der Raum fehlt. Genau dieses Gefühl entsteht auch im Alltag, wenn Infrastruktur leise zurückgebaut wird. Man verliert nicht alles auf einmal – aber Stück für Stück.
Bargeld holen wird zur kleinen strategischen Aufgabe: Wo ist noch ein Automat? Wie weit muss ich laufen? Reicht die Zeit? Das erinnert an ein Endspiel, in dem jede Figur zählt und jeder Zug wohlüberlegt sein muss.
Michael Cohnen und ich spielen bereits seit einem Vierteljahrhundert gegeneinander. In der 3. Runde der Vereinsmeisterschaft 2012 wandte er erstmals Caro-Kann gegen mich an. Ich testete ihn in einer Hauptvariante, und die Stellung war lange ausgeglichen. Doch leise schlichen sich kleine Fehler ein, passive Züge, die Felderschwächen wurden immer gravierender, bis ein kurzer taktischer Schuss alles klärte.
