Von Jean-Pierre Fuß.
Nach dem wichtigen – und zugegeben sehr glücklichen – Sieg im vorherigen Mannschaftskampf gegen Eschweiler, der uns den Klassenerhalt sicherte, konnten wir entspannt in die Begegnung gegen den zweitplatzierten Herzogenrath gehen.
Allerdings sprach im Vorfeld wenig für uns: Während unsere Gegner zuletzt einen DWZ-Schnitt von 1980 aufbieten konnten, lagen wir selbst nur bei etwa 1940. Doch damit nicht genug: Erstmals mussten wir zusätzlich auf Verstärkung aus der zweiten Mannschaft zurückgreifen. Im Vergleich zum letzten Spiel (DWZ-Schnitt 1971) mussten wir gleich vier Positionen umbesetzen. Mit Christian und Andreas S. fehlten unsere Spitzenbretter, außerdem fielen Karl und kurzfristig auch Ulrike aus.
So gingen wir mit einem Schnitt von 1882 gegen 1979 ins Rennen – also rund 100 DWZ weniger pro Brett. Die Ausgangslage: sagen wir… überschaubar optimistisch.
Marcus brachte uns früh in Führung. Mit dem Läuferpaar erarbeitete er sich Raumvorteil, der zwischenzeitlich wieder verflachte. Doch dann stellte sein Gegner seinen Turm auf ein, nennen wir es freundlich, „fragwürdiges“ Feld. Marcus nutzte das konsequent aus, schnürte die gegnerischen Figuren ein und setzte den König unter Druck – 1:0.
Kurz darauf legte Gert nach. Nach intensiv genutzter Bedenkzeit brachte er seinen Gegner mehrfach in Schwierigkeiten. Zwar ließ er einige Gewinnchancen aus, doch im fünften Anlauf saß der entscheidende Schlag: Angriff auf allen Linien, der König ohne Luft – 2:0.
Erste Gedanken kamen auf: Wenn wir hier tatsächlich gewinnen… ist vielleicht sogar noch mehr drin?
Uli musste jedoch nach gut gespielter Partie und einem unglücklichen Tausch schließlich ins Remis einwilligen – 2,5:0,5.
Dann ging es Schlag auf Schlag:
Thomas verlor im Mittelspiel zu viele Bauern, am Ende standen fünf gegen einen – das war nicht mehr zu halten – 2,5:1,5.
Kurz darauf musste auch David nach Zeitproblemen ein schwieriges Endspiel mit Turm gegen Läufer und Springer akzeptieren. Die Figuren erwiesen sich als zu stark – Ausgleich, 2,5:2,5.
Ein Blick auf die verbleibenden Bretter dämpfte die Euphorie:
Ich selbst stand, höflich formuliert, ziemlich verloren. Bei Andreas M. war noch alles offen, und Dieter steuerte auf ein sicheres Remis zu. Realistisch schien ein 4:4.
Dann musste auch ich aufgeben. Nach ordentlicher Eröffnung kippte die Partie durch einen ungenauen Zug schnell zu meinen Ungunsten – 2,5:3,5.
Alle Hoffnungen ruhten nun auf Andreas M. und Dieter. Doch plötzlich passierte… irgend etwas. Innerhalb weniger Minuten hatten beide eine Figur mehr. Das Wunder lebte wieder!
Dieter hatte das klar einfachere Endspiel und spielte seinen Vorteil souverän herunter – Ausgleich, 3,5:3,5.
Jetzt lag alles an Andreas M. – kein Druck.
Sein Gegner „verabschiedete“ sich großzügig von einem Springer, und Andreas nutzte die Chance. Im Endspiel wurde es noch einmal spannend: Zwei Bauern gegen eine Figur, Remis lag in der Luft. Doch eine weitere Ungenauigkeit des Gegners öffnete die Tür. Ein Bauer marschierte – und blieb.
Sieg!
Das Wunder war perfekt. Und plötzlich stellt sich die Frage: Geht da noch etwas Richtung Aufstieg?
Die Antwort: überraschend viel. Die übrigen Ergebnisse spielten uns in die Karten. Wir stehen nun auf Rang 3 – einem Relegationsplatz. Mit einem Sieg in der letzten Runde könnten wir diesen sichern, mit etwas Unterstützung vielleicht sogar noch mehr erreichen.
Am letzten Spieltag geht es nach Köln zur dritten Mannschaft des KKS.
Déjà-vu? Da war doch schon einmal etwas…
